
Das andere Haus dient einem zwischenräumlichen und damit durchlässigen In-der-Welt-Sein. Ökologisch durchlässig für andere Mitlebewesen.
Es stellt sich ein, sobald man aufhört, sich selbst und die Umwelt für eindeutig zu halten. Das andere Haus liegt nicht außerhalb der Welt, sondern mitten in ihr, im Zwischenraum. An einem gewöhnlichen Ort, an dem man sich zu interessieren beginnt und experimentiert. Man kommt dort nicht richtig an und geht auch nicht richtig weg. Das andere Haus lässt sich bewohnen, aber nicht sichern. Es eignet sich für Menschen, die ihr Leben nicht abschließen möchten. Man lernt in ihm, anders zu leben. Es ähnelt dem Haus einer Schnecke.
Reisen gehören zu diesem Leben, nicht als Bewegung von Ort zu Ort, sondern, im Sinne Robert Musils, als „anderer Zustand“. Man ist unterwegs und merkt auch leiblich, dass sich das Ich verdünnt. Fremde Orte, ungewohnte Wörter, andere Rhythmen, fremde menschliche und nichtmenschliche Lebewesen verändern das selbstzentrierte Selbstverständnis, das man mit sich herumträgt. Das kapitale Ich (KI) beginnt, sich selbst beim Tun irritiert und lachend wahrzunehmen. Das Sein wird unsicher und es entsteht ein Zwischenraum. Es wird so man-selbst und langsam anders.
Die andere Gesellschaft ist keine Utopie, sondern verläuft parallel zur normalen, scheinbar abwesende in ihr. Sie ist anwesend, während man etwas anderes tut. Sie liegt zwischen den genauen Bestimmungen. Man erreicht sie durch eine kleine, langsame Verschiebung der Aufmerksamkeit. Plötzlich bemerkt man, dass Verbindungen durch Kreuzungen entstehen: vorne und hinten, oben und unten, Nähe und Abstand. Man gehört zueinander, ohne zu verschmelzen. Der eigene Zustand ist so anders.
Es gibt Häuser der Trennung und Häuser der Verbindung. Letztere erkennt und erfährt man selbst zum Beispiel an einem Garten, der nicht geordnet ist, oder an einer Hütte, die zwischen Erde und Himmel steht und nichts behauptet. Solche Orte tragen Spuren eines Zusammenspiels von Mensch und Natur. Man erkennt daran den eigenen und anderen verborgenen Faden. Dadurch ergeben sich andere Zustände in all ihrer Unbestimmtheit.
Das andere Leben entsteht nicht durch Rückkehr. Es gibt kein Zurück zu kindlichen Zuständen, zu handwerklicher Unschuld oder zu einer Natur, die auf uns wartet. Der romantische Wunsch nach Rückgängigkeit ist verständlich, aber irreführend. Das Zurück ist versperrt. Was existiert, ist das Neben- und Ineinander: eine Welt aus Spielräumen, Untergründen, kleinen Abweichungen, Spuren. Dort sind Sinnlichkeit und Sorge, Freundschaft und Zufall noch nicht in Funktionen übersetzt.
Wem es gelingt, hin und wieder spielend und lachend, liebend und reisend zu leben, begegnet der unbestimmbaren Zufälligkeit der Welt: Es ist jeder Zeit und überall auch anders möglich. Die Welt zeigt sich widersprüchlich, vielstimmig, manchmal unerquicklich, manchmal erhaben. Man erkennt darin die eigene innere Vielfalt wieder. Es könnte so etwas wie eine vielstimmige Stimmigkeit entstehen, die von einem Rauschen begleitet wird. Aus einem ästhetischen Leben kann ein ethisches entstehen.
In dieser Durchlässigkeit verliert das kapitale Ich (KI) langsam an Gefrässigkeit. Aus Gefrässigkeit wird eine individuelle Mythologie, unscheinbarer und skuriler. Sie ist kein Konzept für eine normale Gesellschaft, aber widersteht fröhlicher ihren Funktionen. Dann könnte anderes entstehen. Eine andere Gesellschaft, deren Untergründe und Zwischenräume und ihr Unsinn als ihre eigene Natur erfahrbar werden. So kann es verborgen weitergehen, anders. Und so nähert man-selbst sich dem natürlich Anderen.